Castelvecchio
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Castelvecchio

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Aus der Nähe sieht es perfekt aus: Mauern, Türme, ein Wassergraben, eine Zugbrücke, alles an seinem Platz! Wie konnte dieses Gebäude seit 1356 so gut erhalten sein? Natürlich ist nicht alles so einfach, wie es scheint. Die Feinheiten beginnen bereits mit dem Namen. „Castelvecchio“ bedeutet wörtlich „altes Schloss“, doch natürlich wird kein Schloss als „alt“ bezeichnet, solange es neu ist. Bis zur Mitte des 19. Jh. trug das Schloss den Namen „Schloss San Martino in Aquaro“, in Erinnerung an eine kleine Kirche, die im Innenhof stand, und die Verwandlung zum „alten“ Schloss fand statt, als die Österreicher Mitte des 19. Jh. ihr Hauptquartier auf dem Hügel erbauten.

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Das Schloss wurde lange Zeit bestimmungsgemäß, nämlich für den Bewohnerschutz, genutzt. Dem von der Dynastie Della Scala festgelegten militärischen Zweck blieben auch deren Nachfolger Venezianer treu, noch später wurden hier französische und österreichische Garnisonen stationiert.

Während des Volksaufstandes von 1797 überlebten die Franzosen nur, weil sie sich im Schloss versteckten und das Tor rechtzeitig schlossen. Die Österreicher benutzten einen der Türme als Basis für optischen Militärtelegrafen.

All diese Abenteuer haben den Burgmauern erheblich zugesetzt. Im 20. Jh. zog das Militär in den linken Flügel um, wo sich bis jetzt ein Offiziersclub befindet. Auf dem ehemaligen Kasernengelände ist ein Museum untergebracht, in dessen Innenhof Bauteile von abgerissenen Gebäuden gelagert werden. Eins davon wurde später beim Bau von… Julias Balkon verwendet!

Im Museum fanden neben Ausstellungen verschiedene politische Treffen und Ereignisse statt, bis hin zum Prozess gegen die ranghohen Mitglieder der faschistischen Partei, die versuchten, gegen Mussolini zu putschen. (Übrigens, 40 Jahre zuvor leistete Duce in diesem Schloss seinen Militärdienst ab). Unter den Verschwörern befand sich der Ehemann seiner Tochter Edda, Galeazzo Ciano. Im Januar 1944 wurde er zusammen mit seinen Komplizen auf dem Militärgelände in Verona erschossen.

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Nach der Zweiten Weltkrieg befand sich das Schloss in einem sehr schlechten Zustand. Die Restaurierung wurde dem Architekten Carlo Scarpa anvertraut, der Moderne und Antike zu verbinden vermochte. Das Schloss wurde mit größtem Respekt für die Vergangenheit restauriert, jedoch nicht zu Lasten moderner Anforderungen. Schauen Sie, wie sorgfältig der Zugbrückenmechanismus wiederhergestellt wurde: Wenn Sie den Haken entfernen, der die Konstruktion von innen hält, steigt die Brücke unter dem Gewicht der inneren Balken empor.

Nur eine radikale Änderung musste vorgenommen werden: Um das Grab von Cangrande Della Scala optimal zu positionieren, schnitt Scarpa eine Ecke des Gebäudes ab und ersetzte sie durch einen Zementsockel, die die Anmut der mittelalterlichen Statue hervorhebt.

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